Craniosacrale Osteopathie

Entwicklung Craniosacrale Osteopathie

Der amerikanische Arzt Anthony Taylor Still (1828-1917) begründete im neunzehnten Jahrhundert die osteopathische Medizin. Er beobachtete damals in seiner schulmedizinischen Praxis, dass bei vielen Krankheiten die damaligen Behandlungsansätze und Medikamente nicht wirkten. Nachdem drei seiner Töchter während einer Meningitisepidemie starben, suchte Still nach neuen Wegen.
In der Folge untersuchte er über viele Jahre hinweg eingehend die Körper verstorbener Menschen. Als Ergebnis dieser Forschungsarbeit formulierte Still 1874 die Grundlagen der osteopathischen Medizin.
Osteopathie setzt sich aus zwei Worten zusammen, so Still in seiner Autobiographie. Osteo bedeutet Knochen und Pathos bedeutet Krankheit oder Leiden. Seine Forschungen erbrachten für ihn den Schluss, dass in den Knochen die Entwicklung zum Kranksein beginnt. Deshalb setzte Still die Begriffe Osteo und Pathie zusammen.

Zu den wichtigsten Grundlagen der Osteopathie gehören:

  • Den gesamten Menschen und nicht nur die Krankheit sehen
  • Jeder Organismus hat selbstregulierende Mechanismen
  • Die Aufgabe des Behandlers ist es, den Organismus wieder an die Möglichkeit der Selbstheilung heranzuführen
  • Struktur und Funktion bedingen sich gegenseitig, Knochen, Bänder, Muskeln und Fascien geben dem Organismus für seine Funktionsfähigkeit die optimale Struktur

Eine Unbeweglichkeit, eine kleine Verschiebung oder Unregelmässigkeit innerhalb dieser Strukturen vermindert die Durchblutung und ein gute Nervensersorgung. Dadurch ist die harmonische Funktion der Organe gestört.

Der amerikanische Osteopath William G. Sutherland entwickelte aus der Osteopathie de Craniosacrale Osteopathie, die heute ein eigenständiger Zweig der Osteopathie ist. Ein grundlegender Ansatz Sutherlands war dabei die Annahme, dass sowohl die Schädelknochen (Schädel = Cranium), als auch das Kreuzbein (Sacrum) zwischen den Beckenknochen bis ins hohe Alter innerhalb ihrer gegebenen Strukturen beweglich bleiben.
Des Weiteren beobachtete Sutherland, dass sich Gehirn und Rückenmark in einem bestimmten Rhythmus bewegen. Dieser Rhythmus ist von Herzschlag und Atmung unabhängig und geht vom so genannten Hirnwasser (Liquor) aus. Das Hirnwasser umspült Gehirn und Rückenmark und schützt beide vor äußeren Einflüssen. Sutherland nannte den Rhythmus „Breath of Life“ (Atem des Lebens), da er vermutete, dass der Craniosacrale Impuls schon beim Embryo vorhanden ist.
«Es geht darum, durch feine Impulse, Blockaden zu lösen und den Craniosacralen Rhythmus wieder in seinen natürlichen Fluss zu bringen», umschreibt der deutsche Kinderarzt und Leiter der Schule für Craniosacrale Osteopathie Rudolf Merkel seine Arbeit.
Bei der Craniosacralen Osteopathie ähneln die Hände des Therapeuten einem Seismographen. Mit den Händen ertastet der Therapeut den Craniosacralen Rhythmus, der besonders an den Schädelknochen und am Kreuzbein, aber auch am ganzen Körper fühlbar ist.
Liegen Blockaden oder alte Verletzungen vor, dann ist dieser Impuls nur schwach oder auch gar nicht spürbar. Diese Blockaden versucht der Therapeut durch feine und gezielte Bewegungen zu lösen. Sind sie gelöst, dann kann der Craniosacrale Rhythmus kann wieder ungehindert fließen und so die Selbstheilungskräfte des Patienten mobilisieren.
Obwohl die Wirkungsweise der Craniosacralen Osteopathie nicht bis ins letzte Detail beschrieben oder belegt werden kann, kann sie eine sinnvolle Ergänzung zur Schulmedizin sein. In der Schweiz arbeitet zum Beispiel das Migräne- und Schmerzzentrum am Universitätsspital Zürich eng mit Craniosacral-Therapeuten zusammen. Im Kiefer-orthopädischen Bereich kommt dort ebenfalls zur Zusammenarbeit zwischen Zahnärzten und den Praktizierenden der Craniosacralen Osteopathie.

Craniosacrale Osteopathie:

sie gehört in den Bereich der Erfahrungsmedizin ohne einen anerkannten, schulmedizinischen Hintergrund
Indikationen / die Craniosacrale Osteopathie hat sich besonders bewährt bei:
Folgen von Unfällen und Stürzen
Schmerzen, Muskelverspannungen
Schulter- und Rückenbeschwerden, Bandscheibenvorfall

Gelenkschmerzen:
Hüfte
Knie
Ellenbogen
Schulter
Fußgelenke usw.
Säuglingen und Kinder zur Lösung von Geburtstraumen
Migräne
Kiefergelenksbeschwerden, Zahnspangenbehandlungen
Burn out / Folgen von Stress und Überlastungen

Wichtige Kontraindikationen:
„red flags“ bei Bandscheibenvorfällen
Akute Entzündungen und Verletzungen im Bereich des Zentralen Nervensystems
Erstmals auftretende und/ oder zunehmende Kopfschmerzen müssen ärztlich abgeklärt sein
Gleiches gilt für Zeichen von akutem Hirndruck oder chronischem Hirndruck
Psychosen und Neurosen

Craniosacrale Osteopathie Behandlung
Dauer: etwa 60 Minuten
Patienten mit
Migräne
Rückenschmerzen
Gelenkschmerzen unter anderem an
Schulter
Knien
Hüfte
Ellenbogen
Schmerzen im Bereich der Halswirbelsäule
Kinder und Jugendliche mit Kieferproblemen oder im rahmen von Zahnspangenbehandlungen
Schmerzen als Folgen von Unfällen und Stürzen
Die Behandlungen erfolgen dreimal im wöchentlichen Abstand, anschließend im 14tägigen Abstand
Mit der ersten Behandlungsserie sollte eine für den Patienten spürbare Verbesserung seiner Erkrankung erreicht werden.
Einschränkend muss gesagt werden, dass bei lange bestehenden chronischen Erkrankungen in der Regel eine Behandlungsserie nicht immer ausreicht